Nach Outcomes steuern, Innovationen im Sozialstaat ermöglichen

04.05.2026
Die Bundesregierung hat sich zur ziel- und wirkungsorientierten Haushaltsführung bekannt.

Was das konkret bedeutet, blieb bisher offen. Das Handbuch „Outcome-orientierte Steuerung – Ansätze und Umsetzungsmöglichkeiten am Beispiel der Arbeitsmarktintegration“ schließt diese Lücke: Es bietet einen praxisnahen Orientierungsrahmen für alle, die öffentliche Mittel so einsetzen wollen, dass sie nachweislich zu besseren Ergebnissen für Menschen und Gesellschaft führen.

Zahlreiche Einblicke aus der Praxis zeigen, dass in vielen Bereichen des Sozialstaats Mittel in Maßnahmen  fließen, ohne systematisch zu prüfen, ob diese tatsächlich die bestmögliche positive Veränderung bei den Zielgruppen bewirken. Berichtslogiken fokussieren auf Teilnehmendenzahlen, Stundenkontingente oder formale Vorgaben und nicht darauf, was sich für Menschen konkret verbessert.

Statt nach den wirksamsten Lösungen zu steuern, werden häufig Programme fortgeschrieben, die vor allem etabliert, administrativ handhabbar oder politisch gewohnt sind und damit oft genau die innovativen Ansätze ausbremsen, die besser zu heutigen Herausforderungen und Zielgruppen passen würden. Zugleich gibt es Vorbehalte gegenüber outcome-orientierten Ansätzen: Sie gelten als zu komplex, als zusätzlicher Bürokratieaufwand oder als Risiko, weil sie mehr Transparenz über Erfolge und Misserfolge schaffen.

Gerade auf der kommunalen Ebene zeigt sich diese Spannung besonders deutlich. Mittel gehen häufig an etablierte Akteure mit langen Arbeitsbeziehungen, während jüngere, kleinere und innovative Träger, einschließlich Sozialunternehmen, vor komplexen Ausschreibungen, hohen Vorfinanzierungslasten und engen Vorgaben stehen, die wenig Raum für Lernen und Innovation lassen. Gleichzeitig erleben Bürger:innen im Jobcenter, im Rathaus oder in Beratungsstellen unmittelbar, ob der Staat für sie „funktioniert“. Dies sind Erfahrungen, die Vertrauen in Staat und Demokratie prägen.

Genau hier setzt das Handbuch an: Es zeigt, wie Kommunen und andere öffentliche Akteure ihre Förderpraxis Schritt für Schritt so weiterentwickeln können, dass Mittel gezielter in die Lösungen fließen, die nachweislich die größten positiven Veränderungen für die Zielgruppen bewirken.

Nach Outcomes steuern

Mit der Bundesregierung hat Wirkungsorientierung zuletzt politischen Rückenwind bekommen: Ein eigenes Ministerium, eine Modernisierungsagenda des Bundes und eine föderale Modernisierungsagenda unterstreichen die Ambitionen. Doch eine veränderte Steuerungslogik steht bislang nicht im Mittelpunkt. Das Handbuch liefert dafür die kommunale Umsetzungsmethodik. Es unterstützt Politik und Verwaltungen, insbesondere kommunale Entscheidungsträger:innen, dabei, öffentliche Mittel stärker an nachweisbaren Ergebnissen auszurichten.

Das Handbuch richtet sich an kommunale Entscheidungsträger:innen, Fachverwaltungen und Trägerorganisationen in der Arbeitsmarktintegration, die neue Förderprogramme aufsetzen oder bestehende Maßnahmen so weiterentwickeln möchten, dass sie stärker an klaren Outcomes ausgerichtet sind. Statt nur Prozesse und Input zu finanzieren, rückt das Handbuch die Frage in den Mittelpunkt: Welche beobachtbaren Veränderungen bei den Menschen sollen erreicht werde und wie lassen sich Förder- und Vergabemodelle Schritt für Schritt darauf ausrichten? Das schafft Spielräume für wirksamere Lösungen, erleichtert Innovation und unterstützt dabei, erfolgreiche Ansätze in die Regelstrukturen des Sozialstaats zu integrieren.

Outcome-Orientierung in der Arbeitsmarktintegration

Auch wenn die Arbeitsmarktintegration nur eines von vielen Feldern ist, in denen der Staat wirkungsorientierter arbeiten muss, zeigen sich Herausforderungen und Chancen dort besonders verdichtet. Hier entscheidet sich, ob Menschen Zugang zu guter Arbeit bekommen, ob Fachkräfte gewonnen werden und wie gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht wird.

Zugleich ist die Arbeitsmarktpolitik im Vergleich zu anderen Politikfeldern bereits relativ weit, was Kennzahlen, Monitoring und Steuerungslogiken angeht. Das Handbuch macht sichtbar, welche Spielräume schon heute genutzt werden können, wie bestehende Instrumente weiterentwickelt werden können und wo eine an Ergebnissen ausgerichtete Steuerung hilft, spürbare Verbesserungen für die Zielgruppen zu erreichen.

Was das Handbuch bietet und wie es entstanden ist

Das Handbuch versteht sich als praxisnaher Orientierungsrahmen, nicht als starre Blaupause. Es

  • erläutert zentrale Begriffe wie Input, Output, Outcome und Impact und macht deutlich, warum Outcomes die relevante Ebene für Steuerung und politische Entscheidungen sind.
  • stellt ein Analysemodell mit fünf Dimensionen (Kultur, Recht, Haushalt, Planung, Steuerung/Monitoring) vor, mit dem sich Verwaltungen auf ihrem Weg zur Outcome-Orientierung verorten können.
  • beschreibt ein abgestuftes Instrumentenportfolio, von klassischen, eher inputorientierten Modellen bis hin zu stärker outcome-basierten Ansätzen, inklusive Praxisbeispielen aus der Arbeitsmarktintegration. Es zeigt, wie Kommunen etwa mit kleinen Outcome-Boni, wirkungsorientierten Zielvereinbarungen oder Fonds- und Pilotmodellen schrittweise in outcome-orientierte Finanzierung einsteigen können.
  • zeigt, wie outcome-orientierte Modelle rechtlich und haushalterisch im bestehenden Rahmen gestaltet werden können und welche Prinzipien, wie Lernorientierung, faire Risikoteilung und Wirkungsgerechtigkeit, dabei wichtig sind.

Erarbeitet wurde das Handbuch im Rahmen einer von SEND koordinierten Arbeitsgruppe. Seit 2025 lag der Fokus auf der Arbeitsmarktintegration; in mehreren Austauschrunden brachten Vertreter:innen von Jobcentern, kommunalen Verwaltungen, Trägerorganisationen, Stiftungen und Sozialunternehmen ihre Perspektiven ein. So entstand ein Werkzeug, das eng an der Verwaltungspraxis ansetzt und zugleich sichtbar macht, wie Verwaltung, freie Träger und Sozialunternehmen gemeinsam Verantwortung für bessere Ergebnisse übernehmen können.

Ansprechpartner

David Korenke
Co-Leitung Politik

18. Mai: Veröffentlichungsevent des Handbuchs

Gemeinsam mit Vertreter:innen aus Kommunalverwaltung, Politik und Praxis wird diskutiert, wie Outcome-Orientierung konkret umgesetzt werden kann.

» Zur Anmeldung

Autor: Pablo Hoffmann

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