Mit uns aus der Corona-Krise – Soziale Innovationen erhalten und fördern

07.05.2020 | news

Seit gut zwei Monaten ist die halbe Welt im Stillstand. Dabei gibt es kaum Gewinner*innen in der Pandemie, ob DAX-Konzern oder Einzelunternehmen. Diesmal werden alle hart getroffen. Nur kann sich ein DAX Konzern – anders als Sozialunternehmen – relativ unkompliziert Finanzhilfen geben lassen.

Um zu schauen, welche Auswirkung die Corona-Krise auf Sozialunternehmen hat, haben wir Ende März eine Umfrage unter Sozialunternehmer*innen durchgehführt und Politik und Ministerien mit Nachdruck auf die existenzbedrohenden Herausforderungen hingewiesen. Mit unserer zweiten Umfrage geben wir einen Einblick in die weitere Entwicklung der Herausforderungen von Social Entrepreneurs in Zeiten der Corona-Pandemie und haben uns näher mit den Lücken bestehender Hilfsprogramme beschäftigt.

In weniger als einem halben Jahr ist fast die Hälfte des Sektors verschwunden?!

Durch die Krise fällt die wichtigste Finanzierungsquelle von vielen Social Entrepreneus weg: Erlöse aus Verkauf von Produkten und Dienstleistungen. Die Umstellung auf Online Handel und digitale Workshops ist für viele eine mögliche Lösung, funktioniert aber längst nicht überall. Aber auch der Ausfall von Veranstaltungen – auf denen nicht selten auch Förderer gewonnen werden sollten – trifft den Sektor hart.

46 Prozent der Befragten gaben an, dass sie ihre Unternehmen oder Organisationen unter den gegenwärtigen Bedingungen höchstens noch sechs Monate aufrechterhalten können.

Die Ergebnisse verdeutlichen ein Problem, dass schon vor der Krise eine Herausforderung für Sozialunternehmen darstellte – es fehlt an zielgruppenrelevanten Förderinstrumenten für Sozialunternehmen.

Wir haben Sozialunternehmen gefragt, ob und welche öffentlichen Finanzierungsprogramme sie nutzen konnten. Die Aussagen sind frappierend:

  • Einmalzuschuss als Soforthilfe des Bundes oder Landes: 32,9%
  • Landesprogramm (eines spezifischen Bundeslandes) zur Liquiditätssicherung: 10,8%
  • KfW-Darlehen (90% Absicherung) und/oder KfW-Schnellkredit 2020 (100% Absicherung): 3,2%

Insbesondere die Fördermittelvergabe der KfW geht bisher fast komplett an Sozialunternehmer*innen vorbei. Denn gefördert werden nur Unternehmen, die in den vergangenen Jahren Gewinne ausweisen konnten. Für Sozialunternehmen ist das Geschäftsmodell aber nur Mittel zum Zweck und Überschüsse werden wieder in die gesellschaftliche Wirkung reinvestiert. Jetzt werden sie für ihren gesellschaftlichen Beitrag bestraft! Und gemeinnützige Organisationen sind von vorneherein von der Kreditvergabe ausgeschlossen.

„Mein größter Wunsch [an die Politik] wäre, die bestehenden Programme so für Sozialunternehmen zu öffnen bzw. anzupassen, dass deren spezifische Bedürfnisse abgedeckt werden.“ - Dr. Markus Freiburg, Geschäftsführer Finanzierungsagentur für Social Entrepreneurship (FASE)

Mehr Wirkung trotz schlechter Bedingungen

Dabei stellt die Corona Pandemie uns alle vor große Herausforderungen: Soziale Ungerechtigkeiten werden noch sichtbarer und es wird deutlich, wie systemrelevant die Arbeit von Organisationen mit einer Fokussierung auf gesellschaftliche Mehrwerte sind.

Und es gibt auch Positives: die Umfrage zeigt, dass die soziale Wirkung der Social Entrepreneurs bei 23% unverändert bleibt und bei 35% sich sogar vergrößert.

„Wir konnten unsere mediale Reichweite in den letzten Wochen erheblich steigern und mit unseren Angeboten viel mehr Familien wertvolle Unterstützung in ihrer Isolation geben. Das zeigen die vielen Rückmeldungen und Interaktionen auf unseren Social Media Kanälen.“ - Petra Moske, Geschäftsführerin Nestwärme

Was heißt das jetzt?

Für uns bei SEND gilt es jetzt, Eure Rückmeldungen an die Politik zu spielen. Unsere Schlussfolgerung lautet für die kommenden Wochen ganz klar: Die bestehenden Hilfsangebote greifen für Social Entrepreneurs zu kurz. Wir werden daher weiter gegenüber politischen Entscheider*innen dafür werben, dass gerade jetzt der beste Zeitpunkt ist, um ein Investitionsprogramm für soziale Innovationen als Pilot aufzulegen. Denn auch mittelfristig gilt eindeutig: Nach der Krise können wir nicht zu „business as usual“ zurückkehren. Wir wollen uns dafür einsetzen, dass der Neustart unserer Wirtschaft auch für ein Umsteuern hin zu einem Kurs genutzt wird, der nachhaltiger, ökologischer und sozialer ist. Dafür können wir dann hoffentlich aus den Erfahrungen dieser Krise aufbauen.

„Im Kern wäre es mein Wunsch, dass Wirtschaftsförderung, und vor allen Dingen auch ad-hoc Wirtschaftsförderung, in diesen Zeiten stärker gepaart wird mit einem gemeinwohlorientierten Wirtschaftsverständnis.“ – Björn Lampe, Vorstand Betterplace

Denn gerade jetzt kommt es auf unseren sozialen „Erfinder*innengeist“ an. Wir wissen, dass Social Entrepreneus – in der Krise und danach – einen wichtigen Beitrag leisten, um die Gesellschaft zusammenzuhalten. Aber damit wir einen Beitrag dazu leisten können, müssen wir nach der Krise auch noch da sein. Dafür kämpfen wir.

Du siehst an den Ergebnissen, dass Du nicht allein mit den Herausforderungen bist? Du möchtest an einer Lösung mitarbeiten? Dann trete mit Deinem zuständigen Bundestagsabgeordneten in Kontakt und bitte ihn um ein klärendes Gespräch zu Deiner Situation!

Hier geht es zu unserer heutigen Pressemitteilung und hier findet Ihr mehr Ergebnisse aus der Studie. Unsere Forderungen an die Politik sind hier hinterlegt. Wir freuen uns auf ein #GemeinsamWirken in dieser herausfordernden Zeit!