Social Impact Fonds über nachrichtenlose Vermögenswerte

10.10.2019 | news

Aktuell stehen wir vor einer Vielzahl großer gesellschaftlicher Herausforderungen wie dem Klimawandel, einer alternden Gesellschaft oder dem Strukturwandel durch die digitale Transformation. Trotz der Dringlichkeit dieser Themen haben es innovative Lösungen in Deutschland noch immer schwer die passende Finanzierung zu erhalten. Mit dem Modell eines Social Impact Fonds könnte diese ohne Belastung der Steuerzahler*innen über die Nutzung sogenannter “Nachrichtenloser Assets” erfolgen. Das Modell ist bereits in anderen Ländern erprobt und bietet eine Reihe weiterer Mehrwerte. Näheres zu dem Konzept haben wir in dem nachfolgenden Video zusammengefasst.

Nachrichtenlose Assets: Für die Gesellschaft verlorenes Kapital

Unter nachrichtenlosen Assets versteht man Vermögenswerte, bei denen Finanzdienstleister den Kontakt zum Kunden verloren haben. Innerhalb der G7 hat Deutschland als einziges Land noch keine gesetzliche Regelung für den Umgang mit diesen Vermögenswerten. Abhängig von der jeweiligen Schätzung liegen jedoch alleine auf nachrichtenlosen Bankkonten bis zu neun Milliarden Euro.

In anderen Ländern werden diese Gelder für das Gemeinwohl genutzt. So finanziert z.B. Japan darüber Lösungen für die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft. In Großbritannien transferieren Banken das Geld dieser “nachrichtenloser Konten” an den Reclaim Fund. Dieser Fonds verfügt über ausreichende Mittel, um Rückforderungen von Kontoinhabern jederzeit zu erfüllen und leitet überschüssige Gelder an die staatliche Lotteriegesellschaft weiter. Ein großer Teil davon wird dann in Big Society Capital investiert, einen halbstaatlichen Dachfonds für soziales Investitionskapital.

Zitat Cliff Prior Big Society Capital

Finanzierung für Lösungsgestalter*innen verbessern

In der aktuellen Diskussion zur Bewältigung der Herausforderungen des Klimawandels betont die Regierung immer wieder die Relevanz von Innovationen. Im aktuellen Koalitionsvertrag wurde für die Lösung unserer gesellschaftlichen Herausforderungen zwar mehrfach eine Unterstützung für Soziale Innovationen und Social Entrepreneurship verankert, jedoch fand eine ernsthafte Umsetzung bislang nicht statt.

Dabei zeigt inzwischen eine Vielzahl von Studien die Notwendigkeit einer Verbesserung der Rahmenbedingungen und Finanzierungssituation deutlich auf. So hat Anfang diesen Jahres KfW-Research über die Studie “Social Entrepreneurs in Deutschland: Raus aus der Nische” die Defizite der Rahmenbedingungen im Vergleich zu klassischen Gründungen aufgezeigt. Auch etablierte Akteure stehen bei der Umsetzung innovativer Lösungen vor ähnlichen Herausforderungen. Basierend auf den Erfahrungen anderer Länder wäre der Aufbau eines Social Impact Fonds über “nachrichtenlose Assets” ein wichtiger Lösungsbaustein.

Zitat Maja Göpel Nachrichtenlose Konten

Ein Gewinn für alle Beteiligten

Gewinner des vorliegenden Konzeptes wäre in erster Linie die Gesellschaft als Ganzes. Über einen Social Impact Fonds würde für innovative Lösungen unserer gesellschaftlichen Herausforderungen endlich das dringend benötigte Kapital zur Verfügung stehen. Potenzielle Erben hätten zudem über das vorgeschlagene Konstrukt die Möglichkeit nachrichtenlose Vermögenswerte Verstorbener über ein Register aufzufinden. Vermögensverwalter wie Banken erhalten endlich einen sicheren Rechtsrahmen für den Umgang mit “nachrichtenlosen Assets” und reduzieren neben dem Verwaltungsaufwand das Reputationsrisko, das mit der bislang fehlenden Regulierung einhergeht.

Jetzt liegt es an der Politik eine entsprechende Lösung zu realisieren! Unser Bericht soll hierzu eine Diskussions- und Arbeitsgrundlage liefern!

Bericht Nachrichtenlose Assets Reformvorschlag

Der Bericht für den Aufbau eines Social Impact Fonds durch die Nutzung nachrichtenloser Assets ist ein gemeinsames Projekt von Ashoka, Bundesinitiative Impact Investing, Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland und dem Verband Deutscher Erbenermittler.

Autoren des vorliegenden Berichtes sind Antonis Schwarz, Andreas Zubrod und Markus Sauerhammer.

Kontakt für Rückfragen:

Markus Sauerhammer /// [email protected] /// 030-64477658

Download Bericht: https://www.send-ev.de/uploads/sif.pdf