Social Enterprises And Their Ecosystems In Europe - Länderbericht Deutschland

08.04.2019 | news

Das Bewusstsein für soziale und ökologische Probleme und Herausforderungen wächst sowohl in der Bevölkerung, als auch bei politischen Entscheidungsträger*innen und befeuert die Suche nach effektiven Lösungen. Die Hoffnung auf neue und besonders wirkungsvolle Antworten wird immer öfter auch in Social Entrepreneurship gesetzt. Irgendwo zwischen klassischem Unternehmertum und altruistischem Engagement steckt ein riesiges Potenzial für gesellschaftliche Innovationen. Der Länderbericht Deutschland von Nicole Göler von Ravensburg, Gorgi Krlev und Georg Mildenberger im Auftrag der Europäischen Kommission, bietet auf knapp 100 Seiten einen umfassenden Überblick über das Social Enterprise Ökosystem in Deutschland. Der Bericht befasst sich mit dem Potenzial des Sektors und den Hürden, die diesem Potenzial im Moment noch im Weg stehen.

Disclaimer: Teile dieses Textes stammen aus dem RKW Magazin "Social Startups: mehr "Wir" - weniger "Ich".

Social Enterprises And Their Ecosystems In Europe - Länderbericht Deutschland

Deutschland hat eine der größten Populationen von Social Enterprises in Europa, gleichwohl aber auch eines der am schwächsten ausgeprägten Ökosysteme für deren Neugründungen. Durch eine weitgehende Separierung von Wohlfahrt und Wirtschaft fehlt es an integrierten Ansätzen zur Herausarbeitung von klaren Definitionen und Richtlinien für Sozialunternehmen. Zwar zwingen gesellschaftliche Herausforderungen, wie der demographische Wandel, die Gesellschaft über kreative Lösungsansätze nachzudenken, trotzdem bestehen weiterhin Vorbehalte gegenüber unternehmerischen Lösungen von sozialen Fragen. Durch diese Umstände haben Sozialunternehmen einen schwereren Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten und es fehlt sowohl an einer passenden rechtlichen Grundlage, als auch an einer ausreichenden Datenerhebung zu diesem Thema. Wie auch andere Veröffentlichungen dieses Jahr nahe legen, birgt der Social Entrepreneurship Sektor ein riesiges ökonomisches und vor allem gesellschaftliches Potenzial. In Deutschland wird dieses noch nicht annährend ausgenutzt.

Es ist zu erwarten, dass sich der Trend des sozialen Unternehmertums auch weiterhin fortsetzen wird. Was kann die Politik hier von anderen Ländern lernen, um den Trend vollumfänglich zu nutzen? Dazu Gorgi Krlev, einer der Mitverfasser des Länderberichtes:

„Es gibt mittlerweile einige Initiativen auf mehreren Ebenen. Auf lokaler und nationaler Ebene und in mehreren Politikbereichen, von der Wirtschafts- bis zur Sozialpolitik. Zwar führt das zu einer vermutlich notwendigen Vielfalt an Ansätzen, man vermisst jedoch eine koordinierte Strategie und eine klare Themenplatzierung. In Frankreich gibt es beispielsweise seit über einem Jahr die Initiative #FrenchImpact, durch die in den nächsten fünf Jahren 1 Mrd. € in Social Entrepreneurship, die Social Economy, Social Innovation, und Impact Investing fließen sollen.

Und obwohl in Deutschland viele Akteure das Thema bearbeiten, oder damit beginnen, ist es insgesamt viel weniger prominent als beispielsweise in UK, wo es seit vielen Jahren ein spezielles Cabinet Office (Office for Civil Society) gibt, aber auch viel prominenter aufgehängte Netzwerkorganisationen, die zum Teil staatsfinanziert sind, wie beispielsweise Big Society Capital oder nesta. Bezogen auf UK wird oft angeführt, dass deren Wohlfahrtsstrukturen keinen Vergleich zulassen, aber Frankreich hat wie Deutschland ein korporatistisches System und die beiden Länder sind sich in dieser Hinsicht sehr ähnlich. Es scheint also wenig dagegen zu sprechen eine ähnliche Strategie zu fahren.“