Studie von Ashoka und McKinsey zeigt Milliardenpotenzial von sozialen Innovationen

26.03.2019 | news

Bei der Bewältigung großer gesellschaftlicher Herausforderungen können Sozialunternehmen eine wichtige Rolle spielen. Wenn die Ideen und Lösungen der über 1.700 Sozialunternehmen in Deutschland besser in bestehende Systeme integriert würden, ergäbe sich ein wirtschaftlicher Nutzen mit Milliardenpotenzial.

„Das Potenzial dieser Sozialunternehmen ist gewaltig“, stellt McKinsey-Partner Matthias Daub fest: Allein eine bundesweite Einführung der Brustkrebsfrüherkennung nach dem Modell von Discovering Hands würde nicht nur viele Leben retten – volkswirtschaftlich könnte sich auch ein positiver Effekt von 80 bis 160 Millionen Euro jährlich erzielen lassen, unter anderem durch geringere Behandlungs- und Folgekosten. Allein die vier ausgewählten Beispiele haben nach Berechnungen von Ashoka und McKinsey zusammen ein finanzielles Potenzial von jährlich mindestens 1 Mrd. Euro – und das sind nur vier von 72 Sozialunternehmen, die Ashoka derzeit in Deutschland fördert. Hochgerechnet ergäbe sich ein finanzielles Potenzial in Milliardenhöhe.

Wir haben uns mit Odin Mühlenbein, Partner bei Ashoka Deutschland, über die Ergebnisse der Studie und soziales Unternehmertum als Möglichkeit für systemischen Wandel unterhalten.

Als weltweites Netzwerk von Sozialunternehmern arbeitet Ashoka auch daran, das Ökosystem für Sozialunternehmertum zu stärken. Das Problem: „Gerade in Deutschland bekommen viele systemverändernde Sozialunternehmen immer noch nicht die nötige Unterstützung,“, so Odin.

Es braucht bessere Rahmenbedingungen, um erfolgreiche soziale Innovationen in bestehende Systeme zu integrieren. Geldgeber wie Stiftungen können helfen, indem sie nicht nur Angebote für Mitglieder einer bestimmten Zielgruppe fördern, sondern auch systemische Initiativen, die diese Angebote idealerweise überflüssig machen. Odin: „Dazu zählen beispielsweise der Aufbau von Netzwerken, die Unterstützung anderer Organisationen oder auch politische Arbeit.“ Auf Seiten von Politik, Wohlfahrt und Verwaltung würde mehr Experimentierfreudigkeit helfen, neue Ideen schneller in die Breite zu tragen. Es gibt aber auch Selbstkritik. Viele Sozialunternehmen hätten nicht die richtige Strategie, um erfolgreich mit Schulämtern oder Krankenkassen zusammenzuarbeiten. Und auch das Bild vom heroischen Weltretter stünde vielen Sozialunternehmern im Weg.

Die Studie zeigt das riesige Potential von sozialen Innovationen. „Es geht hier nicht nur um Wohlfühlfaktoren, sondern darum, unsere sozialen Systeme fit zu machen für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts“, fasst es Odin zusammen, „Wenn wir soziale Innovationen fördern, verbessert das nicht nur Lebensqualität und Chancengerechtigkeit. Es würde uns auch jedes Jahr mehrere Milliarden Euros sparen.“