Berliner Investitionsbank öffnet Angebote für Social Entrepreneurs

25.06.2018 | news

Social Entrepreneurship: Stiefkind der deutschen Politik

Wer sich häufig mit Social Entrepreneurs austauscht oder selbst eine*r ist, weiß, dass die politischen Rahmenbedingungen für diesen Bereich in Deutschland problematisch und defizitär sind. In der Studie „The best Place to be a Social Entrepreneur 2016“ hat die Thomson Reuters Foundation die 45 wirtschaftlich stärksten Länder daraufhin untersucht, wie sie als Standort für Social Enterprises dienen.

Deutschland belegt in der Gesamtrangliste den 12. Platz. Schaut man sich jedoch die Einzelkategorien an, fällt auf, dass die fehlende politische Unterstützung in Deutschland eine wesentliche Hürde darstellt. So liegt Deutschland in der Kategorie „Government Policy supports Social Entrepreneurs“ auf Rang 34 – weit hinter Ländern wie den Philippinen, Kolumbien und Nigeria.

Die große Diskrepanz mach deutlich, dass die aktuellen politischen Maßnahmen nicht mit den gesellschaftlichen Wertevorstellungen und Bedürfnissen Schritt halten. Eine Übersicht der wichtigsten Forderungen von Social Entrepreneurs haben wir in einem Positionspapier zusammengestellt.

Berlin nimmt Vorreiterrolle ein

Mangelnde Finanzierungsinstrumente gehören zu einer der größten Herausforderungen des Sektors. Umso größer war unsere Freude als der Vorstandsvorsitzende der Investitionsbank Berlin (IBB), Dr. Jürgen Allerkamp, gestern in einem Interview offiziell versicherte, die Bank werde ihre Förderangebote speziell um den Bereich des sozialen Unternehmertums erweitern:

"Wir haben erkannt, dass es zunehmend Unternehmen gibt, die eben nicht nur auf Gewinnmaximierung aus sind, sondern auch von anderen Dinge angetrieben werden. Denen möchten wir uns stärker widmen", sagte Herr Dr. Allerkamp der Berliner Morgenpost.

Dr. Jürgen Allerkamp (Vorstandsvorsitzende der Investitionsbank Berlin

Außerdem verkündete Bürgermeisterin und Wirtschaftssenatorin Ramona Pop bereits letzte Woche (Pressemitteilung), dass die Senatsverwaltung für Wirtschaft die IBB unterstützen werde, diesen wichtigen Schritt zu gehen.

„Wir unterstützen die Investitionsbank Berlin, ihre Förderprogramme auch für Berliner Sozialunternehmen zu öffnen. Social Entrepreneurs leisten mit innovativen Ansätzen einen bedeutenden Beitrag in den Bereichen sozialer Zusammenhalt, Bildung, Umwelt oder Nachhaltigkeit. Ich freue mich, dass zukünftig auch Social Entrepreneurs im Rahmen der Wirtschaftsförderung unterstützt werden können.“ – so die Wirtschaftssenatorin.

Ramona Pop (Berliner Bürgermeisterin und Wirtschaftssenatorin)

Für den Social Entrepreneurship Sektor ist dies ein wichtiger Schritt, der die Stärken des Berliner Standortes weiter ausbaut. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen auf Bundesebene hat sich Berlin zu einem der fünf globalen Hotspots für das Thema entwickelt (Studie der Thomson Reuters Foundation).

SEND sieht diesen Schritt der IBB und des Berliner Senates als einen wichtigen Impuls für weitere Akteur*innen auf Landes- und Bundesebene, um gemeinsam auf einen Transfer unserer Werte einer Sozialen Marktwirtschaft in die heutige Zeit hinzuarbeiten. Social Entrepreneurs fokussieren sich nicht nur auf eine nachhaltige Lösung unserer gesellschaftlichen Herausforderungen, sondern arbeiten an einem Fortschritt, von dem die Gesellschaft als Ganzes profitiert.

- Author: Leon Seefeld